Pferde angrasen: Ein Anweiden-Plan für jeden Pferdetyp

Lyra Pet GmbH
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Pferde angrasen: Ein Anweiden-Plan für jeden Pferdetyp - Der sichere Anweide-Plan um Pferde anzugrasen

Das Frühjahr bringt frisches Gras auf jede Weide. Kein Wunder, dass bei dem grünen Buffet jedes Pferd große Augen macht. Doch Pferde können nicht einfach auf die Wiese gepackt werden, in der Hoffnung, dass alles problemlos funktioniert.

In unserem Blogbeitrag zum Anweiden von Pferden haben wir Ihnen bereits die wichtigsten Details zur beginnenden Weidesaison erläutert. Passend dazu kommt hier ein detaillierte Weideplan, der Sie und vor allem Ihr Pferd beschwerdefrei durchs Frühjahr bringt.

Wir verraten Ihnen, worauf Sie achten sollten und vor allem, welche Pferde Sie besonders im Blick behalten müssen.

Wie fängt man mit dem Weiden an?

Ein Kalender oder ein Weidetagebuch hilft Ihnen, den Überblick zu behalten.

  1. Starten Sie das Pferde anweiden, wenn das Gras etwa 15 bis 20 Zentimeter hoch ist – ganz kurzes Gras ist oft besonders stressbelastet und zuckerhaltig.
  2. Beginnen Sie an den ersten zwei Tagen mit 10 bis 15 Minuten Grasen an der Hand. Das wirkt wenig, ist für den Darm aber bereits Arbeit.
  3. Ab dem dritten Tag können Sie auf 20 Minuten erhöhen.
  4. Steigern Sie die Zeit alle drei bis vier Tage um weitere 10 bis 15 Minuten. Nach etwa zwei Wochen sind Sie bei einer Stunde angekommen.
  5. Ab diesem Zeitpunkt können die Intervalle etwas großzügiger erhöht werden, sodass Sie nach vier Wochen bei mehreren Stunden Weidegang sind.
Unser Tipp: Achten Sie dabei stets auf die Äpfel Ihres Pferdes: Wird der Kot weich oder riecht säuerlich, gehen Sie im Zeitplan einen Schritt zurück.
Anweide-Plan um Pferde angrasen: Schritt für Schritt

Strategien für Risikogruppen: Ponys und stoffwechselempfindliche Pferde

Für Besitzer von Robustrassen, Shettys oder Pferden mit Vorerkrankungen wie EMS (Equines Metabolisches Syndrom) oder Cushing (PPID) gelten verschärfte Regeln. Diese Tiere sind genetisch darauf programmiert, aus karger Nahrung maximal viel Energie zu ziehen. Unser hochenergetisches Weidegras ist für sie wie Fast Food. Kein Wunder also, dass ein Shetty oder ein Haflinger gefühlt nur vom bloßen Hinschauen schon Fett ansetzt.

Ein Shetland Pony steht auf der Weide und sucht nach Gras.

Hier reicht der normale Anweideplan oft nicht aus. Beginnen Sie später im Jahr, wenn das Gras bereits blüht und überständig ist, da der Energiegehalt dann sinkt.

Für EMS-Pferde kann es ratsam sein, den Weidegang dauerhaft auf sehr kurze Sequenzen zu beschränken oder sie auf abgefressenen Flächen (mit Zufütterung von Heu) zu halten.

Ein weiterer Tipp: Geben Sie nicht zu viel Gras auf einmal frei, sondern achten Sie bei besagten Rassen auf stückweises Nachgeben. Das unterstützt auch, dass die Pferde die Weide Stück für Stück sauber abfressen und nicht so viel platttrampeln.

Großpferde und Sportpartner: Leistung und Weidegang vereinen

Bei Warmblütern und Sportpferden liegt der Fokus oft anders. Sie benötigen Energie für ihre Leistung, doch das Angrasen vom Pferd birgt auch hier Risiken. Das hohe Eiweißangebot im jungen Gras kann Leber und Nieren belasten, was sich in Leistungseinbrüchen, dicken Beinen oder angelaufenen Gallen äußern kann.

Achten Sie bei Sportpferden darauf, das Kraftfutter während der Anweidephase anzupassen. Da das Gras bereits viel Energie und Eiweiß liefert, kann die Krippenfutterration oft reduziert werden.

Ein typisches Problem: der "Grasbauch". Ein durch Gase aufgeblähter Bauch, der das Pferd beim Training träge macht und gegen den Schenkel drückt. Bewegung hilft hier: Reiten Sie Ihr Pferd vor dem Weidegang oder sorgen Sie nach dem Reinholen für leichte Bewegung, um die Gasbildung im Darm zu regulieren. Das beugt Koliken und Darmbeschwerden vor.

Besonderheiten bei Jungpferden und Senioren

Jungpferde im Wachstum haben einen hohen Bedarf an Nährstoffen, aber ihr Verdauungssystem ist oft noch nicht so stabil wie das eines ausgewachsenen Pferdes. Zudem neigen sie in der Herde dazu, mehr zu toben als zu fressen, oder – im Gegenteil – hastig zu schlingen. Beobachten Sie also Jungpferde genau: Nehmen sie ab statt zu? Dann ist der Stressfaktor Weide vielleicht noch zu hoch.

Senioren hingegen haben oft Zahnprobleme. Sie können das kurze Gras eventuell nicht mehr gut abrupfen oder kauen Wickel. Dies können Sie bei Stallhaltung täglicher Heu-Gabe feststellen, wenn Sie das Heu untersuchen. Eventuell ist ein Zahnarzt-Besuch ratsam.

Für alte Pferde ist weiches Frühlingsgras oft angenehmer zu fressen als hartes Heu, was vorteilhaft sein kann. Allerdings reagiert ihr Stoffwechsel oft sensibler auf Schwankungen und Durchfall kann schneller verursacht werden. Prüfen Sie täglich den Puls an der Fessel, um eine schleichende Hufrehe auszuschließen.

In welchen Abständen sollte man anweiden?

Lebt Ihr Pferd im Offenstall und hatte den ganzen Winter über Zugang zu einer Winterweide? Dann ist das Anweiden oft unkomplizierter, da der Übergang fließend verläuft. Die Pferde fressen die ersten sprießenden Halme direkt mit. Dennoch müssen Sie aufpassen: Wenn plötzlich das Gras explodiert, fressen sie zu viel davon. Hier hilft es, Teile der Weide zunächst abzusperren und nur stundenweise freizugeben. Alternativ können Sie die Weide auch Meter für Meter durch Steckpfähle vergrößern.

Pferde aus Paddock- oder Boxenhaltung kommen hingegen von "Null auf Hundert". Für sie ist der beschriebene Minuten-Plan unumgänglich. Ein häufiger Fehler: Das Pferd kommt nach dem Anweiden hungrig in die Box zurück. Stellen Sie sicher, dass in der Box oder auf dem Paddock sofort Raufutter bereitsteht, damit der Magen nicht übersäuert.