Das Frühjahr verlockt mit satten Wiesen und viel Zeit an der frischen Luft. Besonders zum Weidewechsel steigt das Risiko für eine Pferde-Kolik massiv an. Viel frisches Gras und die falsche Methode zum Anweiden führen schnell zu Verdauungsproblemen bei Pferden. Wie Sie Ihr Pferde richtig anweiden, erfahren Sie in unserem Ratgeber. In unserem Blog finden Sie ebenfalls einen dazugehörigen Anweide-Plan für unterschiedliche Pferdetypen.
Da Pferde anatomisch nicht erbrechen können, führen diese Verdauungsprobleme schnell zu lebensbedrohlichen Zuständen. Wussten Sie, dass bereits kleine Fütterungsfehler fatale Folgen haben?
In diesem Ratgeber erläutern wir die wichtigsten Erkennungssignale einer Kolik und wie Sie Ihr Pferd mit ersten Maßnahmen unterstützen können bis der Tierarzt kommt.
FAQ: Schnelle Antworten im Ernstfall
Was ist die häufigste Todesursache bei Pferden?
Koliken belegen den traurigen Spitzenplatz der tödlichen Erkrankungen. In manchen Fällen verläuft die Kolik eher langsam, in schweren Fällen kann eine Kolik innerhalb von Stunden ein tragisches Ende finden. Deswegen ist es so wichtig, die Anzeichen richtig zu deuten.
Wie erkenne ich eine Kolik?
Achten Sie auf untypisches Verhalten: Das Tier scharrt mit den Vorderhufen, flehmt (hochgezogene Oberlippe), blickt sich unruhig zum Bauch um oder versucht, sich wiederholt hinzulegen und zu wälzen. Auch eine untypische Teilnahmslosigkeit oder das Verweigern von Futter sind klare Warnsignale.
Wie kann ich dem Pferd bei Kolik helfen?
Bewahren Sie Ruhe. Rufen Sie umgehend den Tierarzt an. Bis dieser eintrifft, sollten Sie das Tier im ruhigen Schritt führen, um die Darmtätigkeit anzuregen. Entfernen Sie jegliches Futter aus der Reichweite und bieten Sie lediglich frisches Wasser an, sofern das Tier trinken möchte.

Wachsamkeit im Stall: Schmerzsignale richtig deuten
Der aufmerksame Pferdebesitzer kennt jedes Verhalten seines Pferdes – sei es Unwohlsein, Angst, Rossigkeit oder einfach nur Übermut. Mit Sicherheit werden Sie auch einschätzen können, wann es Ihrem Liebling mal nicht so gut geht.
Nicht jede Kolik äußert sich durch wildes Wälzen. Es gibt die „stille“ Form, bei der das Tier lediglich apathisch in der Ecke steht. Die Schmerzintensität korreliert nicht immer direkt mit der Schwere der Ursache. Ein Pferd mit einer gefährlichen Darmverschlingung kann ruhiger wirken als ein Tier mit einer schmerzhaften, aber meist harmlosen Krampfkolik.
Achten Sie auf untypisches Verhalten. Wenn Ihr Tier unruhig gegen den Bauch tritt oder sich ständig hinlegt, ist Gefahr im Verzug. Prüfen Sie im Zweifelsfall die Vitalwerte. Ein gesunder Ruhepuls liegt zwischen 28 und 44 Schlägen pro Minute. Steigt dieser Wert auf über 60, leidet das Tier unter erheblichem Stress oder Schmerz. Ein kurzer Check der Schleimhäute gibt oft erste Hinweise auf den Kreislaufzustand: Sie sollten rosa und feucht sein. Sind sie blass, gelblich oder gar bläulich, liegt ein massives Kreislaufproblem vor.
Achten Sie zudem auf die Darmgeräusche. Ein vollkommener „Grabesstille“ im Bauchraum ist oft ein schlechteres Zeichen als lautes Gluckern, da dies auf einen Darmverschluss hindeuten kann. Bereits jetzt können Sie mit den oben genannten Maßnahmen (Bewegung und kein Futter) erste Abhilfe schaffen, solange der Tierarzt noch nicht da ist.
Wie kommt eine Gaskolik oder andere Formen beim Pferd zustande?
Um zu verstehen, warum Pferdekoliken so häufig auftreten, muss man sich die Biologie vor Augen führen. Das Pferd ist ein sogenannter „Hindgut Fermenter“. Das bedeutet: der Großteil der Verdauung findet durch Mikroorganismen im riesigen Blind- und Dickdarm statt.
Dieser Prozess ist perfekt auf die kontinuierliche Aufnahme kleiner Mengen raufaserreicher Nahrung ausgelegt. Moderne Haltungsbedingungen im Stall mit langen Fresspausen oder zu großen Kraftfutterportionen bringen dieses Gleichgewicht ins Wanken.
Wenn sie Pferde auf der Weide beobachten, werden Sie schnell feststellen, dass Pferde eigentlich ständig auf Futtersuche sind. Das heißt nicht, dass sie durchgehend fressen, aber sie nehmen dabei quasi ständig Futter auf.
Ein weiteres Problem der Pferd-Anatomie ist die mangelnde Fixierung des Magen-Darm-Traktes. Große Abschnitte des Darms hängen relativ frei im Bauchraum. Bei Gasbildungen oder Fehlgärungen können diese Darmabschnitte aufschwimmen und sich im schlimmsten Fall verdrehen. Solche Lageveränderungen sind extrem schmerzhaft und unterbrechen die Blutversorgung, was innerhalb kürzester Zeit zum Absterben von Gewebe führen kann.
Eine Gaskolik beim Pferd entsteht oft durch gärendes Futter im Dickdarm. Dabei bläht sich der Darm schmerzhaft auf. Vor allem das frische Frühlingsgras kann hier Beschwerden verursachen, weil es einen hohen Fruktan-Gehalt hat und sehr eiweißreich ist. Zeitgleich besteht es aus wenig Rohfaser – etwas, an das die Pferde nach viel Zeit im Stall mit viel Heu gewohnt sind.
Davon abzugrenzen sind Verstopfungskoliken, die häufig durch Wassermangel oder zu strohiges, holziges Futter entstehen. Hier bildet sich ein fester Pfropf, meist an den Engstellen des Dickdarms. Besonders im Winter, wenn die Tiere weniger trinken, ist dieses Risiko hoch. Sandkoliken hingegen treten auf, wenn Pferde auf abgegrasten Paddocks Wurzeln mitsamt Sand fressen. Der Sand lagert sich am Boden des Darms ab und reizt die Schleimhaut oder führt zu schweren Blockaden. Jede dieser Formen erfordert eine spezifische Therapie, weshalb eine Eigendiagnose ohne medizinisches Fachwissen riskant ist.
Pferdekoliken sind vielfältig und reichen von harmlosen Krämpfen bis hin zu schweren Darmverschlingungen, die operiert werden müssen. Zeit ist hier ein großer Faktor, der das Schicksal Ihres Pferdes bestimmt. Je schneller Sie agieren, den Tierarzt rufen und erste Hilfe leisten, desto höher sind die Überlebenschancen.
Kolik beim Pferd – was tun? Erste Schritte im Ernstfall
Sobald der Verdacht besteht, tickt die Uhr. Notieren Sie sich den Zeitpunkt der ersten Symptome und was das Tier zuletzt gefressen hat. Rufen Sie sofort den Tierarzt an und nennen Sie alle Symptome, die Sie bereits beobachten konnten.

Sicherheit geht vor: Bleiben Sie ruhig, um den Stresspegel des Tieres nicht unnötig zu erhöhen. Bringen Sie Ihr Tier aus der Box auf einen weichen Untergrund. Bewegung regt die Peristaltik (also die Darmtätigkeit) an. Aber Obacht: Überanstrengung schadet. Führen Sie das Tier also langsam die Straße rauf und runter oder bringen Sie es in die Reithalle und führen Sie es, bis der Tierarzt vor Ort ist.
Vermeiden Sie es, eigenständig Medikamente zu verabreichen, bevor der Tierarzt das Tier untersucht hat. Schmerzmittel können das klinische Bild verschleiern und eine notwendige Einweisung in die Klinik verzögern.
Der Tierarzt wird meist eine Nasenschlundsonde legen, um Gas abzulassen oder Paraffinöl einzugeben. Seien Sie darauf vorbereitet, das Pferd eventuell transportieren zu müssen. Ein fahrbereiter Hänger und ein Zugfahrzeug sollten im Stall bereitstehen, falls eine Operation die einzige Rettung ist.
Prävention durch artgerechte Haltung
Die beste Therapie ist die Vermeidung. Ein stabiles Verdauungssystem basiert auf drei Säulen: Bewegung, Wasser und Raufutter. Pferde sind Lauftiere; ständige Bewegung hält die Peristaltik aufrecht. Vorbeugung beginnt im Trog und auf der Weide. Hochwertiges Pferdefutter und ausreichend Raufutter in Form von hochwertigem Heu sind die beste Versicherung.
Auch der Mineralhaushalt muss stimmen: Lecksteine sollten zur Standardausstattung jeder Box und Weide gehören, damit das Tier seinen Salzbedarf instinktiv decken kann. Regelmäßige Wurmkuren und Zahnkontrollen runden das Vorsorgeprogramm ab, da Parasiten oder unzerkautes Futter häufige Auslöser für Blockaden sind.
Schnelles Handeln entscheidet oft über Leben und Tod. Ein gut geschultes Auge für die Körpersprache Ihres Pferdes ist unersetzlich. Investieren Sie Zeit in die Beobachtung, denn Ihr Pferd verlässt sich im Ernstfall vollkommen auf Ihre schnelle Entscheidung.